Zwischen Digitalisierung und Ladenpraxis: Digitale Kundeninteraktion im Buchhandel

von Martin Behlke | Sep. 22, 2025 | Pressemitteilung

Digitalisierung und struktureller Wandel im Buchhandel

Der stationäre Buchhandel ist seit mehreren Jahren von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen betroffen, die maßgeblich durch die fortschreitende Digitalisierung von Informations-, Kommunikations- und Kaufprozessen geprägt sind. Digitale Plattformen haben neue Maßstäbe hinsichtlich Transparenz, Informationsverfügbarkeit und Nutzerorientierung gesetzt und beeinflussen damit nachhaltig das Such-, Entscheidungs- und Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten. Der stationäre Einkauf wird zunehmend durch digitale Vor- und Nachbereitungsprozesse ergänzt, wodurch sich die Anforderungen an Handelsformate und Ladenkonzepte erheblich verändern.

In diesem Kontext rückt die digitale Kundeninteraktion im Buchhandel verstärkt in den Fokus wirtschaftlicher und handelswissenschaftlicher Diskussionen. Stationäre Buchhandlungen sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, digitale Elemente in ihre Verkaufsräume zu integrieren, um den Erwartungen einer digital geprägten Kundschaft gerecht zu werden, ohne dabei ihre traditionellen Stärken – persönliche Beratung, kuratorische Auswahl und Aufenthaltsqualität – zu verlieren.

Digitale Informationsangebote als Antwort auf veränderte Kundenerwartungen

Die zunehmende Verlagerung von Informationssuche und Kaufentscheidungen in digitale Kanäle hat dazu geführt, dass Kundinnen und Kunden auch im stationären Handel einen unmittelbaren Zugriff auf weiterführende Produktinformationen erwarten. Im Buchhandel betrifft dies insbesondere Inhaltsangaben, Rezensionen, Leseproben, thematische Einordnungen sowie Informationen zur Titelverfügbarkeit. Die digitale Kundeninteraktion im Buchhandel wird damit zu einem zentralen Bestandteil der wahrgenommenen Servicequalität am Point of Sale.

Digitale Info-Terminals stellen einen Ansatz dar, diese veränderten Informationspraktiken innerhalb des physischen Verkaufsraums aufzugreifen. Als stationäre digitale Schnittstellen ermöglichen sie den Zugriff auf digitale Inhalte dort, wo Kaufentscheidungen tatsächlich getroffen werden. Ihre Einführung ist dabei nicht isoliert als technologische Innovation zu betrachten, sondern als Teil einer umfassenderen Strategie zur Verknüpfung stationärer und digitaler Vertriebskanäle.

An dieser Stelle setzt das Buch „Akzeptanz von Terminals im Buchhandel“ an. Die Veröffentlichung widmet sich der empirischen Untersuchung digitaler Info-Terminals im stationären Buchhandel und analysiert deren Wahrnehmung und Nutzung durch Kundinnen und Kunden. Im Zentrum steht eine quantitative Studie, die in einer großflächigen Filiale der Buchhandelskette Thalia durchgeführt wurde.

Das Erkenntnisinteresse der Untersuchung liegt darin, die tatsächliche Relevanz dieser digitalen Informationssysteme im realen Ladenbetrieb zu erfassen. Dabei wird nicht allein die Nutzungshäufigkeit betrachtet, sondern auch die grundsätzliche Einstellung der Kundschaft gegenüber dieser Form digitaler Unterstützung im stationären Kontext. Die Studie verfolgt damit einen analytischen Zugang, der normative Annahmen über den Nutzen digitaler Technologien bewusst vermeidet und ist im Schnittfeld von Handelsbetriebslehre, Konsumentenforschung und Medienökonomie verortet. Durch die empirische Fokussierung auf stationäre digitale Informationssysteme leistet sie einen Beitrag zur Schließung einer Forschungslücke, da die digitale Kundeninteraktion im Buchhandel bislang überwiegend aus der Perspektive des Onlinehandels untersucht wurde.

Akzeptanz digitaler Systeme als zentrale Voraussetzung wirtschaftlicher Wirksamkeit

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass digitale Info-Terminals nicht per se als Mehrwert wahrgenommen werden. Ihre Akzeptanz ist an spezifische Bedingungen geknüpft, darunter ihre Sichtbarkeit im Verkaufsraum, die technische Zuverlässigkeit, die intuitive Bedienbarkeit sowie ihre Einbettung in bestehende Beratungs- und Serviceprozesse.

Damit zeigt die Studie, dass digitale Kundeninteraktion im Buchhandel kein Selbstzweck ist, sondern aktiv gestaltet werden muss. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist diese Differenzierung besonders relevant, da Investitionen in digitale Infrastruktur mit Kosten verbunden sind und vor dem Hintergrund begrenzter Margen sorgfältig abgewogen werden müssen. Digitale Technologien entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn sie in ein konsistentes Laden- und Servicekonzept integriert sind.

Die Relevanz des Buches ergibt sich aus seiner Einbettung in aktuelle handelsökonomische Debatten über die Zukunftsfähigkeit stationärer Verkaufsformate. Steigende Betriebskosten, veränderte Standortbedingungen in Innenstädten und zunehmender Wettbewerbsdruck durch Onlineanbieter machen hybride Geschäftsmodelle erforderlich, die analoge und digitale Elemente miteinander verbinden.

Das Buch leistet hierzu einen empirisch fundierten Beitrag, indem es zeigt, unter welchen Bedingungen digitale Informationssysteme zur funktionalen Aufwertung stationärer Buchhandlungen beitragen können. Es liefert damit eine sachliche Grundlage für strategische Entscheidungen und trägt zur Versachlichung einer Debatte bei, die häufig von pauschalen Erwartungen an technologische Innovationen geprägt ist.

Die Veröffentlichung richtet sich an ein fachlich orientiertes Publikum aus Wissenschaft und Praxis. Dazu zählen insbesondere Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im stationären Buchhandel sowie im filialisierten Einzelhandel, die sich mit Fragen der Digitalisierung, Kundeninteraktion und Investitionsbewertung befassen. Ebenso adressiert das Buch Forschende und Studierende der Betriebswirtschaftslehre, Handelsökonomie, Medienökonomie und Konsumforschung.

Darüber hinaus bietet die Studie Anknüpfungspunkte für Branchenverbände, Marktanalysten und Beratungsinstitutionen, die empirisch fundierte Erkenntnisse zur digitalen Kundeninteraktion im Buchhandel suchen und diese in strategische Handlungsempfehlungen überführen möchten.

Jetzt als Open-Access verfügbar

Die Studie „Akzeptanz von Terminals im Buchhandel“ steht neben der gedruckten Ausgabe auch als Open-Access-Publikation zur Verfügung. Die offene Zugänglichkeit der empirischen Ergebnisse ermöglicht deren Nutzung ohne institutionelle oder finanzielle Zugangsbeschränkungen durch Akteure aus Handel, Wissenschaft und Lehre und fördert damit den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis sowie eine evidenzbasierte Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation des Buchhandels.


Bibliografische Angaben: 
Akzeptanz von Info-Terminals im stationären Buchhandel ISBN: 978-3-86376-059-5 Verlag: Optimedien Erhältlich über: elitebuch.com und im einschlägigen Fachbuchhandel.