Richtig zu zitieren ist mehr als eine formale Pflichtübung. Zitate zeigen, worauf ein Text aufbaut, machen Gedankenwege nachvollziehbar und markieren die Grenze zwischen eigener Argumentation und fremden Vorarbeiten. Wer sauber arbeitet, schützt sich vor Plagiatsvorwürfen, erfüllt die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis und macht es Leser:innen leichter, den fachlichen Faden nachzuvollziehen – in Abschlussarbeiten ebenso wie in Fachbüchern, Kommentaren oder Aufsätzen.
„Richtig zitieren“ heißt deshalb: Quellen so belegen, dass Herkunft, Umfang und Funktion fremder Beiträge transparent werden – unabhängig davon, welcher Zitationsstil verwendet wird.
Übersicht
Funktionen von Zitaten
Zitate erfüllen im wissenschaftlichen und fachlichen Schreiben mehrere Funktionen gleichzeitig:
- Sie verorten das eigene Argument im bestehenden Forschungsstand: Wer hat ähnliche Thesen vertreten, wer widerspricht, auf welche Studien oder Entscheidungen stützt sich die Argumentation?
- Sie würdigen geistige Leistungen anderer, indem deutlich wird, wessen Arbeit man übernimmt, weiterführt oder kritisiert.
- Sie begrenzen die eigene Leistung: Leser:innen sollen erkennen können, welche Teile eines Textes auf eigenen Analysen beruhen und welche auf vorhandenen Erkenntnissen.
- Sie ermöglichen Kontrolle und Anschluss: Wer eine Aussage nachvollziehen oder weiterbearbeiten möchte, kann zur Originalquelle zurückgehen.
In diesem Sinne ist das Zitat kein Anhängsel des Textes, sondern integraler Bestandteil des wissenschaftlichen Gesprächs – und elementarer Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis.
Grundprinzipien: Transparenz, Einheitlichkeit, Nachvollziehbarkeit
Unabhängig von Fach, Zitationsstil oder Textsorte lassen sich einige Grundprinzipien formulieren, die immer gelten sollten:
Transparenz
Es muss jederzeit erkennbar sein, welche Teile eines Textes auf fremden Quellen beruhen – sei es wörtlich oder sinngemäß – und welche Passagen eigene Gedanken, Bewertungen oder Auswertungen darstellen.
Einheitlichkeit
Ein gewählter Zitationsstil (Fußnotenstil, Autor-Jahr-System etc.) sollte im gesamten Text konsequent umgesetzt werden. Mischformen ohne erkennbares System erschweren die Lektüre und wirken unprofessionell.
Vollständigkeit
Jede Quelle, auf die im Text Bezug genommen wird, gehört ins Literaturverzeichnis (bzw. in die entsprechende Nachweisliste), und umgekehrt sollten im Verzeichnis nur tatsächlich verwendete Quellen aufgeführt werden.
Eindeutigkeit
Die Angaben müssen so gestaltet sein, dass die zitierte Quelle eindeutig auffindbar ist: Autor:in, Titel, Erscheinungsjahr, ggf. Band und Auflage, Seitenangabe, bei digitalen Quellen zusätzlich DOI oder dauerhafte URL und Abrufdatum.
Wer diese vier Prinzipien ernst nimmt, hat den Kern „richtigen Zitierens“ bereits erfüllt – unabhängig davon, ob die Fußnote juristisch, sozialwissenschaftlich oder nach einem Zeitschriftenstil formatiert ist.
Wörtliche und sinngemäße Zitate
In der Praxis sind zwei Formen zentral: wörtliche und sinngemäße (indirekte) Zitate.
Wörtliche Zitate
Wörtliche Zitate übernehmen Textpassagen exakt so, wie sie in der Originalquelle stehen. Sie werden durch Anführungszeichen (oder – in längeren Blöcken – durch typografische Hervorhebung) kenntlich gemacht und stets mit einer präzisen Quellenangabe versehen, die mindestens Seite oder Randnummer enthält.
Wörtliche Zitate sind dann sinnvoll, wenn die genaue Formulierung selbst von Bedeutung ist – etwa bei juristischen Begründungen, prägnanten Definitionen oder sprachlich markanten Thesen. Sie sollten maßvoll eingesetzt werden: Ein Text, der überwiegend aus langen Fremdzitaten besteht, dokumentiert eher Lesefleiß als eigene wissenschaftliche Leistung.
Sinngemäße Zitate (Paraphrasen)
Sehr häufig werden Gedanken, Ergebnisse oder Argumentationsgänge sinngemäß zusammengefasst. Auch hier ist ein Quellenverweis zwingend erforderlich: Der bloße Verzicht auf Anführungszeichen macht eine Übernahme nicht automatisch zu einer Eigenleistung.
Gute Paraphrasen zeichnen sich dadurch aus, dass sie:
- den Kern der fremden Aussage korrekt wiedergeben,
- in die eigene Argumentation eingebettet sind,
- und klar erkennen lassen, auf wessen Arbeit sie sich stützen.
Gerade hier entstehen unbeabsichtigte Plagiate: Wer Textpassagen nur leicht umformuliert, aber die Quelle nicht nennt, gibt fremde Gedanken als eigene aus. Richtiges Paraphrasieren heißt daher: eigene Worte, eigene Struktur, aber klar gekennzeichnete Herkunft.
Zitationsstile und fachspezifische Besonderheiten
Es gibt nicht den einen „richtigen“ Zitationsstil, sondern verschiedene etablierte Systeme, die jeweils bestimmte Bedürfnisse abbilden:
- In vielen Geistes- und Sozialwissenschaften dominieren Fußnotenstile, in denen der vollständige Nachweis (oder eine Kurzform mit Verweis auf das Literaturverzeichnis) in der Fußnote steht.
- In internationalen Natur- und Sozialwissenschaften sind Autor-Jahr-Systeme verbreitet (z. B. APA, Chicago, Harvard): Die Quellenangabe erscheint im Text in Klammern, das Literaturverzeichnis enthält alle Details.
- In der Rechtswissenschaft haben sich eigenständige Konventionen entwickelt, etwa für Gesetzes- und Rechtsprechungszitate (Fundstellen, Gericht, Datum, Aktenzeichen), Kommentare und Handbücher.
Wichtig ist, sich früh zu klären:
- Welche Vorgaben macht Fakultät, Hochschule oder Zeitschrift?
- Gibt es verbindliche Leitfäden oder Hausstile (z. B. für rechtliche Zitate)?
- Welche Zielgruppe soll den Text lesen – national, international, interdisziplinär?
Ein konsistent eingehaltenes System ist wichtiger als die Frage, ob es „APA“ oder „Chicago“ heißt. Entscheidend ist, dass Leser:innen sich schnell in der Logik der Nachweise zurechtfinden.
Überblick über wichtige Zitierweisen
Es gibt eine Vielzahl von Zitationsstilen, aber sie lassen sich in einige grundlegende Zitierweisen gruppieren. Wichtig ist weniger der Name des Stils als das dahinterstehende Prinzip – und dass es im Text konsequent angewendet wird.
Autor-Jahr-Systeme
Autor-Jahr-Systeme kennzeichnen Quellen im Text durch Kurzangaben in Klammern, typischerweise „Autor Jahr, Seite“; die ausführlichen Angaben stehen im Literaturverzeichnis. Sie sind in vielen internationalen Fachkulturen verbreitet.
Typische Beispiele:
- APA-Stil (American Psychological Association) – sehr verbreitet in Psychologie, Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaften.
- Harvard-Stil – Sammelbegriff für verschiedene Autor-Jahr-Varianten, häufig in Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften.
- Chicago-Stil (Autor-Jahr-Variante) – v. a. in Teilen der Geschichts- und Sozialwissenschaften.
- Vancouver-Stil (in numerischer Form) wird oft als Zahlenstil verwendet, basiert aber auf einer standardisierten Referenzliste, die sich stark an Autor-Jahr-Daten orientiert.
Charakteristisch ist, dass Leser:innen bereits im Fließtext erkennen, auf welche Quelle sich ein Satz bezieht, ohne Fußnoten aufschlagen zu müssen.
Fußnotenbasierte Stile
Fußnotenstile arbeiten mit hochgestellten Ziffern im Text und ausführlichen oder verkürzten Nachweisen in der Fußnote. Sie sind besonders in den Geistes- und Rechtswissenschaften verbreitet.
Typische Beispiele:
- Chicago-Stil (Fußnotenvariante) – klassische Kombination aus Fußnoten mit Voll- oder Kurzbelegen und ausführlicher Bibliographie.
- Deutsche geisteswissenschaftliche Fußnotenstile – oft zeitschriftenspezifisch, mit Varianten etwa bei Reihenfolge und Abkürzungen.
- Juristische Zitierweisen in deutschsprachigen Rechtswissenschaften – stark fußnotenzentriert, mit spezifischen Konventionen für Kommentare, Entscheidungen, Gesetze etc.
Der Vorteil liegt in der Möglichkeit, in Fußnoten Zusatzinformationen oder Diskussionsbemerkungen unterzubringen, ohne den Fließtext zu überladen.
Numerische Systeme
Numerische Stile kennzeichnen Quellen durch fortlaufende Ziffern im Text, die auf eine nummerierte Literaturliste verweisen. Sie kommen vor allem in Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften zum Einsatz.
Typische Beispiele:
- Vancouver-Stil – Standard im medizinischen Bereich und in vielen naturwissenschaftlichen Zeitschriften.
- Verschiedene journal-spezifische Zahlenstile, die sich an Vancouver orientieren, aber eigene Formatierungsdetails haben.
Der Vorteil ist ein sehr kompakter Text; Nachteil ist, dass die Quelle ohne Blick in die Literaturliste nicht identifizierbar ist.
Juristische Spezialformen
Die Rechtswissenschaft arbeitet – zusätzlich zu „klassischen“ Literaturzitaten – mit eigenen, stark standardisierten Formen:
- Gesetzeszitate (Paragraf, Absatz, Nummer, Gesetz, ggf. Fundstelle).
- Rechtsprechungszitate (Gericht, Datum, Aktenzeichen, Fundstelle in amtlichen oder inoffiziellen Sammlungen).
- Zitate von Kommentaren und Handbüchern (Herausgeber:in, Werk, Paragraph oder Randnummer, Auflage, Jahr).
- Internationale Stile wie OSCOLA (Oxford Standard for the Citation of Legal Authorities) im angloamerikanischen Bereich oder Bluebook in den USA für Law Reviews.
Hier ist die Bindung an Fachkonventionen besonders stark – oft regeln Zeitschriften und Gerichte sehr genau, wie zitiert werden muss.
MLA, Chicago, weitere geisteswissenschaftliche Stile
Neben APA und Harvard spielen insbesondere geisteswissenschaftliche Stile eine große Rolle:
- MLA-Stil (Modern Language Association) – verbreitet in Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften, mit kurzen Quellenangaben im Text (Autor Seite) und ausführlichen Angaben im Verzeichnis.
- Chicago Manual of Style – bietet sowohl Autor-Jahr- als auch Fußnotenvariante und ist damit sehr flexibel.
- Verschiedene hausstilspezifische Varianten in einzelnen Fächern (z. B. Geschichtswissenschaft, Philosophie), die auf bestehenden Systemen aufbauen, aber Zeitschriften- oder reihenspezifische Besonderheiten definieren.
Eher seltene oder spezialisierte Systeme
Daneben existieren weitere, teils sehr spezialisierte Zitierweisen, etwa:
- IEEE-Stil in Technik und Informatik (numerisch, mit eigener Formatierung für Konferenzbeiträge, Normen etc.).
- ACS, AMA und andere fachspezifische Stile in Chemie, Medizin und Pharmazie.
- Verschiedene institutions- oder journalgebundene Stile, die zwar auf den oben genannten Systemen beruhen, aber mit eigenen Detailregeln (Abkürzungen, Kursivsetzungen, Reihenfolgen).
Typische Fehler – und wie man sie vermeidet
In Abschlussarbeiten, Qualifikationsschriften und Fachbüchern begegnen immer wieder ähnliche Probleme. Einige Beispiele:
- Ungekennzeichnetes Paraphrasieren: Fremde Gedanken werden leicht umformuliert, aber ohne Quellenangabe übernommen. Lösung: konsequente Kennzeichnung jeder Übernahme, auch sinngemäßer.
- Unvollständige Nachweise: Es fehlen Seitenzahlen, Erscheinungsjahre, Herausgeber:innen oder Fundstellen. Lösung: frühzeitig vollständige bibliographische Daten erfassen, idealerweise mit einem Zitationsprogramm.
- Inkonsistente Schreibweisen: Autor:innen werden mal mit Vornamen ausgeschrieben, mal nur mit Initialen geführt, Zeitschriftentitel wechseln zwischen Kurz- und Langform. Lösung: zu Beginn einen Hausstil festlegen und konsequent durchhalten.
- Unklare Sekundärzitate: Es wird aus einer Quelle zitiert, die ihrerseits eine andere zitiert, ohne dass klar erkennbar ist, was eigene und was übernommene Darstellung ist. Sekundärzitate sollten Ausnahme bleiben und immer kenntlich gemacht werden.
Viele dieser Fehler lassen sich vermeiden, wenn Quellenarbeit von Anfang an systematisch betrieben wird – nicht erst „am Ende“, wenn das Literaturverzeichnis erstellt wird.
Zitationsprogramme als Unterstützung
Zitationsprogramme wie Zotero, Citavi, EndNote, Mendeley, RefWorks oder JabRef können die Zitationsarbeit erheblich erleichtern:
- Literatur lässt sich strukturiert sammeln und mit Volltexten verknüpfen,
- Nachweise können direkt im Text eingefügt und formatiert werden,
- Literaturverzeichnisse entstehen automatisch und passen sich an, wenn Quellen ergänzt oder entfernt werden,
- Zitationsstile können mit wenigen Klicks gewechselt werden, etwa bei der Einreichung in einer anderen Zeitschrift.
Wichtig bleibt: Zitationsprogramme nehmen Arbeit ab, ersetzen aber nicht das inhaltliche Urteilsvermögen. Sie prüfen weder, ob eine Quelle fachlich relevant ist, noch, ob ein Zitat korrekt interpretiert wird. Sie sind Werkzeuge – kompetent eingesetzt, aber kein Ersatz für wissenschaftliche Sorgfalt.
Richtig zitieren bei Optimedien
Im Programm von Optimedien – mit Schwerpunkten in Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und ausgewählten naturwissenschaftlichen Themen – ist korrektes Zitieren integraler Bestandteil der verlegerischen Arbeit.
Das bedeutet für Autor:innen:
- Bereits im Exposé und in der Manuskriptphase wird darauf geachtet, dass Zitationsweise und Literaturverzeichnis zu Fach, Reihe und Zielgruppe passen.
- Für Reihen und Formate werden klare Zitierstandards definiert (z. B. juristische Fußnotenstile, sozialwissenschaftliche Autor-Jahr-Systeme, konsistente Kurzbelege), sodass Leser:innen innerhalb einer Reihe ein einheitliches Bild vorfinden.
- In Lektorat und Satz wird nicht nur stilistisch, sondern auch formal darauf geachtet, dass Quellenangaben vollständig, einheitlich und nachvollziehbar sind – inklusive Fundstellen, Normzitaten und Nachweisen digitaler Quellen (DOI, dauerhafte URLs, Abrufdaten).
- Wo sinnvoll, werden Zitationsprogramme und Exportformate (z. B. BibTeX, RIS) berücksichtigt, damit Leser:innen die Literatur leicht in ihre eigene Arbeitsumgebung übernehmen können.
Richtig zitieren bei Optimedien heißt damit:
- die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ernst zu nehmen,
- inhaltliche Qualität mit formaler Sorgfalt zu verbinden,
- und Publikationen so aufzubereiten, dass sie für Studium, Forschung und Praxis gleichermaßen verlässlich nutzbar sind.
So werden Zitate nicht nur zu Pflichtangaben am Rand, sondern zum sichtbaren Netz, das Texte miteinander verbindet – über Fachgrenzen, Institutionen und Publikationsformate hinweg.
Ihre OPTIMEDIEN Redaktion

