Digitale Wissenschaft funktioniert nur dann zuverlässig, wenn klar ist, wer etwas veröffentlicht hat – und zwar über Schreibvarianten, Namenswechsel, Umlaute, Projektnamen und Institutionsreformen hinweg. Genau hier setzen Normdaten und persistente Identifikatoren an.
ORCID, ISNI und GND sind drei zentrale Bausteine dieser Infrastruktur. Sie dienen dem gleichen Ziel – eindeutige Zuordnung von Personen und Körperschaften –, folgen aber unterschiedlichen Logiken und werden in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt. Wer publiziert, wer Forschungsdaten bereitstellt oder wer Metadaten für Bücher und E-Books pflegt, sollte diese Unterschiede kennen – und sie aktiv nutzen.
Übersicht
Normdaten und Identifikatoren: warum sie unverzichtbar sind
In klassischen Druckwelten war es mühsam, aber noch handhabbar, wenn Autor:innen mit leicht unterschiedlichen Namensformen auftauchen. In vernetzten digitalen Systemen wird das zu einem strukturellen Problem:
- Literaturverwaltungsprogramme führen dieselbe Person mehrfach.
- Zitationsdatenbanken können Publikationsprofile nicht korrekt bündeln.
- Bibliotheken, Verlage und Repositorien müssen aufwendig nachpflegen.
Normdaten und Identifikatoren lösen genau das: Sie vergeben einen stabilen Schlüssel pro Person oder Körperschaft und verknüpfen damit alle Publikationen, Rollen und Metadaten. „Sievers, André“, „Sievers, A.“ und „Sievers, Andre“ werden dann nicht mehr als drei Autor:innen geführt, sondern als eine Person mit einer eindeutigen ID.
ORCID, ISNI und GND erfüllen diese Funktion jeweils aus einer anderen Perspektive: ORCID aus der Sicht der Forschenden selbst, ISNI als internationaler Standard für Namen und GND aus der bibliothekarischen Normierung heraus – insbesondere im deutschsprachigen Raum.
ORCID – der Identifikator der Forschenden
ORCID (Open Researcher and Contributor ID) ist ein weltweit etabliertes System, das sich an Forschende, Autor:innen und wissenschaftliche Beitragende richtet. Die ORCID iD ist eine 16-stellige Kennung, die lebenslang mit einer Person verbunden bleibt – unabhängig von Arbeitgebern, Projekten oder Namensänderungen.
Charakteristisch für ORCID ist der selbstverwaltete Ansatz:
- Forschende registrieren sich selbst und pflegen ihr Profil.
- Sie entscheiden, welche Informationen (Publikationen, Förderungen, Zugehörigkeiten) öffentlich sichtbar sind.
- Sie können ORCID mit Verlagen, Repositorien, Förderern und Institutionen verknüpfen, die dann Publikationen automatisch dem Profil hinzufügen.
ORCID ist damit ein Knotenpunkt der eigenen wissenschaftlichen Identität. Wer seine ORCID iD konsequent in Manuskripten, Verlagsverträgen, Projektanträgen und Repositorien angibt, sorgt dafür, dass neue Publikationen automatisch mit der eigenen Person verbunden werden – auch dann, wenn sich Name, Ort oder Institution ändern.
Für Verlage und Bibliotheken ist ORCID ein verlässlicher Anker in heterogenen Namenslandschaften. Für Autor:innen ist es ein Instrument, um ein konsistentes Publikationsprofil zu pflegen – über Disziplinen, Länder und Systeme hinweg.
ISNI – International Standard Name Identifier
ISNI (International Standard Name Identifier) ist ein von der ISO normierter Identifikator, der nicht nur Forschende, sondern generell öffentliche Identitäten kennzeichnet: Autor:innen, Übersetzer:innen, Künstler:innen, Musikschaffende, aber auch Verlage, Organisationen und Marken.
Im Unterschied zu ORCID ist ISNI nicht primär als Selbstbedienungsplattform konzipiert, sondern als internationaler Normdatenstandard, der von Agenturen und Datenzentren vergeben und gepflegt wird. Ziel ist es, die große Vielfalt von Namensformen, Pseudonymen und Körperschaftsbezeichnungen in einen eindeutigen, maschinenlesbaren Schlüssel zu überführen.
Typische Einsatzfelder von ISNI sind:
- Bibliotheks- und Verlagsdatenbanken,
- Rechte- und Lizenzverwaltung (z. B. Verwertungsgesellschaften),
- große Content-Plattformen und Aggregatoren,
- sowie Schnittstellen zwischen Buchmarkt, Musikindustrie, Film, Kunst und Wissenschaft.
Für die Wissenschaft ist ISNI besonders interessant, wenn Personen in mehreren Rollen und Branchen auftreten – etwa als Jurist:in, der/die zugleich Fachbücher, Kommentare und populärwissenschaftliche Titel publiziert, oder als Autor:in, der/die neben Monographien auch journalistische oder kulturelle Produktionen verantwortet.
GND – Gemeinsame Normdatei
Die GND (Gemeinsame Normdatei) ist das zentrale Normdatensystem im deutschsprachigen Bibliotheks- und Archivwesen. Sie wird maßgeblich von der Deutschen Nationalbibliothek und den Verbundsystemen gepflegt und dient dazu, Personen, Körperschaften, Konferenzen, Geografika, Sachbegriffe und Werke eindeutig zu erfassen.
Für Autor:innen bedeutet ein GND-Eintrag:
- Bibliotheken können alle Werke einer Person – unabhängig von Schreibweisen oder Verlagsangaben – sauber zusammenführen.
- Kataloge, Discovery-Systeme und nationale Bibliographien können Suchanfragen präziser beantworten.
- Verknüpfungen zu anderen Normdatensystemen (z. B. ORCID, ISNI, VIAF) werden möglich oder erleichtert.
Die GND ist damit ein Rückgrat der bibliothekarischen Erschließung im deutschsprachigen Raum. Während ORCID von den Autor:innen selbst getragen und ISNI international breit angelegt ist, fungiert GND als kuratiertes, bibliothekarisch verantwortetes System mit hohem Qualitätsanspruch an die Datenpflege.
Besonders in Rechts-, Sozial- und Geisteswissenschaften, in denen Monographien und Sammelbände eine zentrale Rolle spielen, ist die GND-Einbindung eines Namens ein wichtiger Faktor für die langfristige Auffindbarkeit.
Zusammenspiel von ORCID, ISNI und GND
ORCID, ISNI und GND sind keine konkurrierenden Systeme, sondern komplementäre Bausteine:
- ORCID adressiert die Selbstidentifikation der Forschenden und die Vernetzung mit Verlagen, Repositorien, Förderern und Forschungsinformationssystemen.
- ISNI bietet einen internationalen, medienübergreifenden Standard, der auch außerhalb der engeren Wissenschaftswelt genutzt wird.
- GND stellt eine hochwertige bibliothekarische Normierung bereit, insbesondere im deutschsprachigen Raum, und verknüpft Personen mit Werken, Körperschaften und Sachschlagworten.
In gut gepflegten Metadatensystemen werden diese Identifikatoren miteinander verknüpft. Ein:e Autor:in kann beispielsweise:
- eine ORCID iD besitzen,
- einen ISNI-Eintrag haben,
- und in der GND mit allen bibliographischen Informationen geführt werden.
Technisch entsteht daraus ein Netz, in dem verschiedene Systeme aufeinander verweisen. Praktisch bedeutet das: Wer nach einer Person sucht – im Katalog, in Google Scholar, in einer Fachdatenbank oder auf einer Verlagsseite – findet mit höherer Wahrscheinlichkeit alle relevanten Publikationen, und zwar konsistent und korrekt zugeordnet.
Nutzen für Autor:innen, Institutionen und Verlage
Für Autor:innen bieten ORCID, ISNI und GND die Möglichkeit, ein klares, über Systeme hinweg erkennbares Profil aufzubauen:
- Publikationen werden konsistent der eigenen Person zugeordnet.
- Verwechslungen mit Namensvettern oder unterschiedliche Schreibweisen werden abgefangen.
- Lebensläufe, Drittmittelanträge und Projektwebseiten lassen sich mit stabilen Links und Identifikatoren unterfüttern.
Für Institutionen – Hochschulen, Institute, Forschungsverbünde – erleichtern Normdaten die Zuordnung von Publikationen zu Personen und Einheiten, die Pflege von Publikationslisten, die Abbildung von Forschungsleistung und die Integration in Forschungsinformationssysteme (CRIS).
Für Verlage sind ORCID, ISNI und GND zentrale Instrumente der Metadatenqualität:
- Autor:innen werden eindeutig identifiziert und im Programm geführt.
- Schriftenreihen, Herausgebergremien und Körperschaften werden normiert abgebildet.
- Die Auslieferung an Bibliotheken, Datenbanken und Plattformen erfolgt auf einer Grundlage, die spätere Korrekturen minimiert und die wissenschaftliche Sichtbarkeit maximiert.
Damit sind ORCID, ISNI und GND nicht „nur“ technische Details, sondern wichtige Voraussetzungen dafür, dass Fachbücher, Qualifikationsschriften und Sammelbände in der Wissenschaft nachhaltig auffindbar und verlässlich zitierbar sind.
ORCID / ISNI / GND bei Optimedien
Im Kontext von Optimedien – mit den Schwerpunkten Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und ausgewählten naturwissenschaftlichen Themen – sind ORCID, ISNI und GND fester Bestandteil der Metadatenstrategie.
Konkret gilt:
- ORCID: Autor:innen werden ausdrücklich ermutigt, ihre ORCID iD anzugeben. Diese wird in den Metadaten hinterlegt, sodass Publikationen mit ihrem persönlichen ORCID-Profil verknüpft werden können und in Forschungs- und Repositoriumssystemen konsistent erscheinen.
- ISNI: Die ISNI-Vergabe erfolgt nicht dem Zufall, sondern wird von Optimedien aktiv begleitet. Wo noch keine ISNI existiert, kann Optimedien für Autor:innen bzw. Herausgeber:innen eine ISNI beantragen und diese anschließend in den Metadaten der Publikationen hinterlegen. Autor:innen müssen sich damit nicht selbst durch die Registrierungsprozesse arbeiten, profitieren aber von einer klaren internationalen Identifikation.
- GND: Die Erfassung in der Gemeinsamen Normdatei erfolgt im Rahmen der Katalogisierung durch die Deutsche Nationalbibliothek (DNB). Mit der Meldung und Erschließung eines Titels werden normierte Personensätze angelegt bzw. bestehende Einträge ergänzt. Optimedien sorgt dafür, dass die hierfür notwendigen Angaben vollständig und konsistent vorliegen, die eigentliche GND-Anlage bzw. -Pflege erfolgt automatisiert im Prozess der DNB.
Ziel ist eine Publikationsumgebung, in der jede Autor:in, jede Herausgeber:in und jede Reihe eindeutig identifizierbar ist – in Katalogen, Datenbanken, Discovery-Systemen und Repositorien. So wird gewährleistet, dass die bei Optimedien erscheinenden Werke nicht nur fachlich, sondern auch infrastrukturell optimal in die wissenschaftliche Landschaft eingebunden sind.
Ihre OPTIMEDIEN Redaktion

