Schriftenreihe eröffnen

Mit einer eigenen Schriftenreihe das wissenschaftliche Profil stärken

Eine eigene Schriftenreihe ist weit mehr als ein formaler Publikationskanal. Sie bündelt Themen, Personen und Projekte, schafft einen erkennbaren Ort im wissenschaftlichen Feld und macht Entwicklungen sichtbar, die sich in einzelnen Monographien nur angedeutet finden. Für Lehrstühle, Institute, Forschungsverbünde, Stiftungen, Kanzleien oder Praxisnetzwerke kann eine Reihe zum zentralen Instrument werden, um das eigene Profil langfristig zu entwickeln – und nach außen hin klar zu kommunizieren.

Der Schritt von der Einzelpublikation zur Schriftenreihe bedeutet: Aus vereinzelten Titeln wird ein Programm. Aus einer Ansammlung von Büchern entsteht eine Linie. Und aus punktuellen Kooperationen wird ein dauerhaftes Netzwerk von Autor:innen, Gutachter:innen und Partnerinstitutionen.

Warum eine eigene Schriftenreihe?

Die Motive, eine Reihe zu eröffnen, sind vielfältig, lassen sich aber auf einen gemeinsamen Kern zurückführen: Sie möchten einem thematischen oder institutionellen Schwerpunkt einen wiedererkennbaren Ort geben.

Für Lehrstühle und Institute steht oft die sichtbare Bündelung der eigenen Forschung im Vordergrund: Dissertationen, Habilitationen, Monographien, Sammelbände, Tagungsdokumentationen – alles, was das Profil des Standorts prägt, erscheint unter einem gemeinsamen Reihentitel. Die Reihe wird so zur „Visitenkarte“ eines Fachbereichs, die über einzelne Publikationen hinaus die Schwerpunkte und Entwicklungsrichtungen erkennbar macht.

Für Forschungsverbünde, Graduiertenkollegs, Stiftungen oder Praxisnetzwerke bietet eine Schriftenreihe die Möglichkeit, Projekte zusammenzuführen, die sich um ein gemeinsames Problemfeld drehen: etwa um Fragen der Regulierung, der Rechtspraxis, der gesellschaftlichen Transformation oder der Technikfolgen. Über den Zeitraum einzelner Projekte hinaus bleibt sichtbar, welche Themen bearbeitet wurden und wie sich Debatten über die Jahre verschoben haben.

Gemeinsam ist all diesen Konstellationen: Eine Schriftenreihe schafft Verlässlichkeit – für Autor:innen, die wissen, wo ihre Arbeiten gut aufgehoben sind, und für Leser:innen, die mit dem Namen der Reihe ein bestimmtes Niveau und eine bestimmte Perspektive verbinden.

Schriftenreihe versus Einzelpublikation

Einzelpublikationen stehen jeweils für sich: Ein bestimmtes Thema, eine bestimmte Autor:in, ein konkretes Projekt. Sie können sehr sichtbar sein, bleiben aber häufig isoliert.

Eine Schriftenreihe wirkt anders. Sie stiftet Zusammenhang über:

  • Zeit: Titel erscheinen über Jahre oder Jahrzehnte und dokumentieren die Entwicklung eines Fachgebiets oder einer Institution.
  • Thema: Die Reihe markiert ein Feld – etwa ein Rechtsgebiet, ein interdisziplinäres Forschungsfeld oder einen gesellschaftlichen Problemzusammenhang.
  • Personen: Herausgeber:innen, Gutachter:innen und Autor:innen bilden ein Netzwerk, das sich im Laufe der Reihe verdichtet.

Für Autor:innen ist eine Serie attraktiv, weil sie nicht „irgendwo“ publizieren, sondern in einem Umfeld, das ihr Thema bereits vorbereitet: Wer einen Band aus einer Reihe kennt, greift eher zum nächsten; Bibliotheken und Einrichtungen erwerben oft ganze Reihen oder Gesamtpakete.

Für Herausgeber:innen bietet die Reihe die Möglichkeit, Themen zu setzen: Sie können Call for Papers formulieren, bestimmte Schwerpunkte über mehrere Bände hinweg entwickeln und neue Stimmen gezielt einbinden – etwa Nachwuchswissenschaftler:innen, internationale Partner:innen oder Praxisexpert:innen.

Konzeption: Profil, Programm und Zielgruppen

Der zentrale Schritt bei der Gründung einer Reihe ist die inhaltliche Konzeption. Sie beantwortet im Kern drei Fragen:

  1. Wofür soll die Reihe stehen?
    Geht es um ein klar abgegrenztes Rechtsgebiet, um Querschnittsthemen in der Sozialwissenschaft, um interdisziplinäre Perspektiven zwischen Recht, Gesellschaft und Technik, oder um ein geisteswissenschaftliches Feld? Ein prägnantes Profil hilft, die Reihe im Fach zu verankern – und zugleich offen genug zu bleiben, um Entwicklungen aufzunehmen.
  2. Für wen wird publiziert?
    Ist die Zielgruppe primär akademisch (Forschung, Lehre, Qualifikationsschriften), eher praxisnah (Kanzleien, Behörden, Verbände, Unternehmen) oder ausdrücklich hybrid? Davon hängen Tonfall, Umfang und Format der Bände ab – vom klassischen Forschungsband bis zur anwendungsorientierten Studie.
  3. Welche Formate sollen vorkommen?
    Eine Reihe kann bewusst verschiedene Publikationstypen kombinieren: Dissertationen und Habilitationen, Monographien, Sammelbände, Tagungsbände, kommentierte Quellen, Handreichungen für die Praxis. Entscheidend ist, dass es eine erkennbar kuratierende Linie gibt – und klare Kriterien, welche Arbeiten aufgenommen werden.

Eine gut durchdachte Konzeption ist kein starres Korsett, sondern ein Referenzrahmen. Sie lässt Entwicklung zu, gibt aber Orientierung – für Autor:innen, Leser:innen und die eigene strategische Planung.

Herausgeberschaft und Qualitätssicherung

Herzstück jeder Schriftenreihe ist die Herausgeberschaft. Sie trägt das inhaltliche Profil, steht für die Auswahl der Titel und gibt der Reihe ein Gesicht.

In vielen Fällen übernehmen einzelne Professor:innen, ein Lehrstuhlteam, ein Institut oder eine kleine Gruppe von Forscher:innen diese Rolle. Wichtig ist, dass die Verantwortlichkeiten klar geregelt sind: Wer prüft Exposés? Wer entscheidet über die Aufnahme eines Bandes? Wie werden Gutachten eingeholt?

Qualitätssicherung kann unterschiedliche Formen annehmen – vom klassischen wissenschaftlichen Gutachten über interne Reviews bis hin zu peer-review-basierten Auswahlverfahren. Ausschlaggebend ist weniger das Etikett als die Verlässlichkeit des Prozesses: Autor:innen sollten wissen, nach welchen Kriterien entschieden wird, Leser:innen sollten darauf vertrauen können, dass jeder Band einen bestimmten Qualitätsstandard erfüllt.

Eine klare Herausgeberschaft hat noch einen weiteren Effekt: Sie schafft Kontinuität. Auch wenn einzelne Personen wechseln, etwa durch Berufungen oder Ruhestand, bleibt die Reihe als Institution bestehen – eingebettet in ein Netzwerk, das über den Einzelfall hinausreicht.

Digitale Präsenz, Open Access und Sichtbarkeit

Schriftenreihen sind heute immer zugleich Print- und Digitalphänomene. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur über gedruckte Kataloge, sondern über Online-Auftritte, Bibliothekskataloge, Discovery-Systeme und Zitationsdatenbanken.

Eine professionell geführte Reihe trägt dem Rechnung:

  • Jeder Band wird mit vollständigen Metadaten (Autor:innen, Titel, Abstract, Schlagworte, Reihe, Bandnummer, ISBN, ggf. DOI) erfasst.
  • Die Reihe erhält eine eigenständige Präsenz auf der Verlagswebsite, sodass Interessierte die Struktur und Entwicklung nachvollziehen können.
  • Wo sinnvoll, werden Open-Access-Modelle integriert – etwa für einzelne Bände, für durch Drittmittel finanzierte Projekte oder für Reihen, die von vornherein auf offene Zugänglichkeit setzen.

Gerade hier lassen sich unterschiedliche Interessen verbinden: Die Reihe markiert ein anspruchsvolles wissenschaftliches Umfeld, einzelne Bände werden als Print- und E-Book angeboten, und ausgewählte Inhalte – etwa Einleitungen, Policy Papers oder Ergebnisse aus Drittmittelprojekten – stehen parallel Open Access zur Verfügung. So entsteht ein Geflecht von Zugängen, bei dem Sichtbarkeit, Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung Hand in Hand gehen.

Planung, Finanzierung und Organisation

Die Eröffnung einer Schriftenreihe ist auch ein organisatorischer Schritt. Er betrifft Fragen wie:

  • Wie viele Bände sind mittelfristig geplant?
  • Gibt es bereits konkrete Projekte (Dissertationen, Sammelbände, Tagungen), die die Reihe tragen?
  • Welche Rolle spielen Drittmittel, Förderprogramme oder institutionelle Budgets bei der Finanzierung einzelner Bände oder Open-Access-Optionen?

Dabei geht es nicht darum, bei Start der Reihe schon alle Bände festzuschreiben. Wichtiger ist ein realistischer Horizont: eine klare Vorstellung davon, welche ersten ein bis drei Titel die Reihe eröffnen, und ein Gefühl dafür, welche Projekte in den kommenden Jahren folgen könnten.

Ein guter Verlag wird Sie in diesem Prozess nicht nur technisch begleiten, sondern auch beraten – etwa dazu, welche Förderprogramme für Open-Access-Bände in Frage kommen, wie sich Reihenrabatte oder Paketmodelle für Bibliotheken gestalten lassen und wie der Aufwand für Herausgeber:innen in sinnvollen Bahnen bleibt.

Eine eigene Schriftenreihe bei Optimedien

Optimedien ist auf Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und ausgewählte naturwissenschaftliche Themen spezialisiert – also genau jene Bereiche, in denen Schriftenreihen traditionell eine zentrale Rolle spielen.

Wenn Sie eine eigene Schriftenreihe bei Optimedien eröffnen möchten, beginnt die Zusammenarbeit in der Regel mit drei Schritten:

  1. Inhaltliche Skizze
    Sie skizzieren das Profil der geplanten Reihe: Themenfeld, Zielgruppe, geplante Formate, beteiligte Institutionen und Personen. Oft reicht zunächst ein kurzes Konzeptpapier, das die Grundidee verständlich macht.
  2. Herausgebergremium und erste Bände
    Gemeinsam wird geklärt, wer die Herausgeberschaft übernimmt und welche ersten Titel die Reihe eröffnen. Das können Qualifikationsschriften sein, ein programmatischer Sammelband, Tagungsakten oder eine Monographie, die das Profil besonders gut trägt.
  3. Rahmenvereinbarung mit dem Verlag
    Auf dieser Basis wird der verlegerische Rahmen definiert: Gestaltungs- und Satzkonzept, Bandzählung, Reihenlogo, Publikationsformen (Print / E-Book / Open Access), Konditionen und Abläufe. Ziel ist ein transparentes Modell, das Herausgeber:innen entlastet und zugleich hohe Standards in Produktion und Sichtbarkeit sichert.

Im weiteren Verlauf sorgt Optimedien dafür, dass Ihre Reihe deutlich erkennbar im Programm verankert ist: mit einer eigenen Präsenz auf der Website, mit klaren Metadaten in Katalogen und mit einer verlässlichen Herstellung. Sie als Herausgeber:innen behalten die inhaltliche Steuerung; der Verlag übernimmt die verlegerische und technische Umsetzung.

So wird aus der Idee einer Schriftenreihe ein langfristiger Ort für Forschung und Debatte – mit erkennbarer Linie, hoher Qualität und der Möglichkeit, Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit systematisch ins Gespräch zu bringen.

Ihre OPTIMEDIEN Redaktion

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